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14.10.2019

Selbsthilfegruppe für Menschen mit Autismus geplant

Das Autismus-Kompetenz-Zentrum (Autkom) Mittelfranken bietet seine Sprechstunde in Weißenburg künftig bei KISS Weißenburg an – Erstes Austauschtreffen für Angehörige findet am 4. November statt.

Weißenburg / Gunzenhausen – Fragen zur Diagnose, zu Hilfsangeboten oder bei Problemen, etwa auf der Arbeit oder in der Schule beantwortet das Team vom Autismus-Kompetenz-Zentrum Mittelfranken (Autkom Mfr) aus Nürnberg. Alle 4 Wochen im Wechsel gibt es eine Sprechstunde vor Ort in Weißenburg und Gunzenhausen. Der nächste Termin ist am 16.10. erstmals in den neuen Räumen der Selbsthilfekontaktstelle KISS Weißenburg, Westliche Ringstraße 2, geplant. Dort findet am 4. November von 19 Uhr bis 20.30 Uhr auch das erste Austauschtreffen für Angehörige statt.

„Häufig erhalten wir in den Beratungen die Rückmeldung, dass auch der Austausch unter Eltern von Kindern mit Autismus eine große Stütze und Bereicherung darstellt“, erzählt Yella Kroll vom Autismus-Kompetenz-Zentrum Mittelfranken (Autkom). Da es im Landkreis Weißenburg Gunzenhausen bisher keine Selbsthilfegruppe gab, organisiert das Autkom in Kooperation mit KISS in Weißenburg ein erstes Treffen für Angehörige.

Eine Autismus-Spektrum-Störung wirkt sich auf alle Bereiche des Lebens aus. Dagmar Heeg beschreibt die Wahrnehmung von Menschen mit Autismus so: „Wenn alle Sinne auf Empfang gestellt sind, hat dies eine enorme Reizüberflutung zur Folge.“ Mit Rita Winter und Yella Kroll berät sie in Nürnberg im Büro und in den Sprechstunden vor Ort Betroffene, deren Angehörige und Fachleute. Außerdem organisieren die drei Beraterinnen Vorträge, Workshops und Weiterbildungsseminare. Der Bedarf an Beratung ist groß.

„Im vergangenen Jahr haben 1.136 Menschen unseren Dienst in Anspruch genommen“, berichtet Autkom-Beraterin Winter. Die meisten Ratsuchenden kommen zum Erstgespräch in die Beratungsstelle oder nehmen Kontakt in einer Sprechstunde vor Ort auf. Danach folgt in der Regel eine Vielzahl von Telefonaten und E-Mails. Die Themen sind breit gefächert. Häufig geht es um Probleme in der Schule oder auf der Arbeit. Aber auch im persönlichen Umfeld können Schwierigkeiten in Kommunikation und Beziehungsgestaltung zu einer Belastungssituation führen. Generell gilt: „Jedes Lebensthema kann unter dem Blickwinkel Autismus besondere Fragestellungen aufwerfen und Beratungs- und Unterstützungsbedarf zur Folge haben“, sagt Rita Winter.

So vielfältig die Fragen, so verschieden kann auch die Ausprägung von Autismus sein, die von einer leichten Beeinträchtigung bis hin zu einer schweren Einschränkung reichen kann. „Manche Menschen sprechen nicht, andere haben Probleme, die zwischenmenschlichen Reaktionen zu deuten“, erklärt Dagmar Heeg. Generell handelt es sich bei autistischen Behinderungen um eine tiefgreifende Entwicklungsstörung denen komplexe Störungen des Zentralnervensystems zugrunde liegen. Häufig wird Autismus, beziehungsweise Autismus-Spektrum-Störungen, als Störung der Informations- und Wahrnehmungsverarbeitung bezeichnet. Für die Betroffenen bedeutet dies, dass sie sich im Alltag schwertun mit sozialer Interaktion und Kommunikation, was wiederum die Teilhabe am gesellschaftlichen Leben beeinflusst und behindern kann.

Dass es eine Zunahme bei der Zahl von Menschen mit Autismus gibt, liegt laut Dagmar Heeg daran, dass sich die Diagnostik verbessert hat, die Testverfahren differenzierter geworden sind. Daher könne Autismus früher und besser festgestellt werden. Nach Schätzungen des Bundesverbandes Autismus Deutschland leben in Deutschland über eine halbe Million Menschen mit Autismus.

Das Autismus-Kompetenz-Zentrum Mittelfranken (Autkom) ist vor zehn Jahren auf Initiative des Vereins autismus Mittelfranken entstanden. Der Verein ist neben der Rummelsberger Diakonie, Diakoneo, der Lebenshilfe Nürnberg und der Stadtmission Nürnberg Träger der Beratungsstelle.

Die nächste Autkom-Sprechstunde in Weißenburg findet am Mittwoch, 16. Oktober, von 9 Uhr bis 14 Uhr, in den Räumen von KISS Weißenburg, Westliche Ringstraße 2, statt. Der Umzug in die Räume der Selbsthilfekontaktstelle KISS Mittelfranken e.V erfolgt wegen der besseren Erreichbarkeit mit den öffentlichen Verkehrsmitteln. Die neuen Räume sind sieben Minuten zu Fuß vom Bahnhof entfernt. Die nächste Sprechstunde in Gunzenhausen ist am 11. November ebenfalls von 9 bis 14 Uhr in den Räumen des Sonnenhofs im Familienzentrum Hensoltshöhe, Lindleinswasenstr. 28 geplant. Die Beratung ist kostenlos. Eine Terminvereinbarung, bzw. die Anmeldung für das Treffen erfolgt über Sandra Ringel vom Autkom Mittelfranken unter Telefon 0911 21 55 95 900 oder per E-Mail unter: info@autismus-mittelfranken.de. In Ausnahmefällen sind auch Hausbesuche möglich.

Weitere Informationen unter www.autismus-mittelfranken.de.


Von: Heike Reinhold

Nach Schätzungen des Bundesverbandes Autismus Deutschland leben in Deutschland über eine halbe Million Autisten. Foto: Privat

(von links) Yella Kroll, Sandra Ringel, Dagmar Heeg und Rita Winter Foto: Heike Reinhold