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11.03.2021

Fortschreitende Inklusion zeigt Wirkung

Rummelsberger Diakonie informiert Bewohner*innen und Mitarbeitende

Altdorf – Junge Menschen mit Behinderung besuchen mehr und mehr Regelschulen. Diese erfreuliche Entwicklung einer fortschreitenden Inklusion zeigt sich auch am Internat des Altdorfer Wichernhauses. Die Nachfrage nach Internatsplätzen hat in den letzten Jahren stark nachgelassen. Wohnten in den 1990er Jahren noch mehr als 90 Kinder im Internat, so sind in diesem Schuljahr von den 43 Plätzen gerade noch 35 belegt. Am Ende des nächsten Schuljahres werden voraussichtlich noch 8 Schülerinnen und Schüler im Internat leben. Ein Beschluss des Vorstandes der Rummelsberger Diakonie folgt dieser Entwicklung. Zum 31. Juli 2022 schließt das Internat am Altdorfer Wichernhaus. Alle anderen Angebote der Rummelsberger Diakonie in Altdorf bleiben bestehen und werden wir gewohnt etwa 500 Familien mit ganz unterschiedlichen Bedarfen begleiten.

Diakon Volker Deeg und Diakon Thomas Jacoby informierten heute die Angehörigen der Internatskinder schriftlich und die betroffenen Mitarbeitenden persönlich. Deeg sagte: „Gefühlsmäßig fällt uns dieser Schritt schwer, denn eine lange Tradition geht zu Ende.“ Andererseits, so der Fachliche Leiter der Rummelsberger Behindertenhilfe weiter, sei diese Entwicklung vor allem eine begrüßenswerte Auswirkung gelingender Inklusion. Und für diejenigen Schülerinnen und Schüler, die nach wie vor in einer Schule mit besonderen Förderschwerpunkten lernen, sind Internate ebenfalls entbehrlich. „An dieser Stelle wird Diakonie nicht mehr gebraucht,“ führte Deeg weiter aus. „Selbstverständlich helfen wir den letzten Internatsschülern und ihren Angehörigen dabei, dass sie nach der Schließung nicht alleine dastehen,“ versichert Wichernhausleiter Jacoby. Jede betroffene Familie bekommt eine Begleiterin zur Seite gestellt, um eine ganz persönliche Perspektive für die Zeit nach dem Internat zu entwickeln.

„Von einer solch traditionsreichen Arbeit Abschied zu nehmen, fällt schwer“, bedauert Diakon Volker Deeg. Als ehemaliger Leiter des Wichernhauses und Altdorfer Bürger kennt er die Geschichte des Hauses nur zu gut. Das Wichernhaus befindet sich seit 1925 in Altdorf. Etwa 500 Mitarbeitende arbeiten beim zweitgrößten Arbeitgeber vor Ort. Generationen von Altdorfern waren und sind mit dem Wichernhaus verbunden.

Die Arbeit habe sich in den vergangenen Jahrzehnten deutlich von Kindern hin zur Begleitung von erwachsenen Menschen mit Behinderung verschoben. So gibt es eine große Nachfrage nach ambulanter und stationärer Betreuung von Menschen, die eine Behinderung im Laufe ihres Lebens erworben haben. „Auf diesen Bedarf wollen wir uns in Zukunft noch stärker konzentrieren“, erklärt Deeg, und Diakon Jacoby versprach den Mitarbeitenden des Internats, dass für jede und jeden eine neue Aufgabe innerhalb der Rummelsberger Diakonie gefunden werden kann. Dabei wird auch die Mitarbeitervertretung unterstützen. Sie war im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben im Vorfeld beratend tätig.

Das Wichernhaus gehört zu den Rummelsberger Diensten für Menschen mit Behinderung (RDB). Die RDB ist eine gemeinnützige Gesellschaft mbH und gehört zur Rummelsberger Diakonie e.V. Sie ist Trägerin von stationären und ambulanten Diensten für Menschen im Behinderung und begleitet täglich rund 3.500 Klientinnen und Klienten in Bayern und bietet rund 2.000 Mitarbeitenden einen Arbeitsplatz.


Von: Georg Borngässer